• 2008Entwicklung der Idee

    Entstanden aus der Frage, was Kult ausmacht und der Recherchearbeit zum Thema. Suchbegriff war: Cultaward. Ergebnislos.
  • 2008Wunsch dem Kult zu danken

    Aus der Recherche wurde ein Wunsch: dem Kult seinen Status mit einer Symbolik auszuzeichnen.
  • 2009Trophäe

    Mit beginn stand die Frage im Raum, wie eine Trophäe dazu aussehen könnte. Das Bild "eine Frau greift nach den Sternen und hat sich mit Einem verschmelzen können" kam Oliver Hillebrecht bei einem Spaziergang.

Oliver Hillebrecht und die lange Geburt des CultAWARD. Eine Geschichte über Rost und Geduld, über einen Motor, der anspringt, und über eine Frau, die nach einem Stern greift.

Das CultAWARD-Plakat 2026: die goldene Trophäe vor einer Wand aus Kultmotiven unter einem Sternenhimmel, darunter das CultAWARD-Logo

Das Plakat · 2010 und 2026

Von der Skizze zum Plakat.

2009 zeichnete Oliver Hillebrecht die Frau, die nach dem Stern greift. Ein Jahr später stand sie auf dem ersten Plakat des CultAWARD. Zum Gründungsjahrgang erscheint es neu: mit der Monique, der heutigen Trophäe, vor einer Wand aus Kultmotiven, unter einem Himmel voller Sterne.

Plakat 2010 · Neuauflage 2026

Zwölf

Am Anfang ist der Rost.

Ein Wanderer-Fahrrad, abgestellt und vergessen, die Kette steif wie ein getrockneter Ast, der Lack in Inseln zerfallen. Davor kniet ein Junge von zwölf Jahren. Er weiß noch nicht, dass er hier etwas lernt, das ihn nie wieder freigeben wird: Dinge können warten. Unter dem Schmutz sind sie nicht tot, nur geduldig.

Er schleift, er fettet, er zieht Speichen nach, wochenlang. Dann steht das Rad da, als wäre es eben erst über den Ladentisch gegangen. Der Junge sieht es lange an, als hätte es ihm etwas zurückgegeben, von dem er nicht wusste, dass es ihm fehlte.

Kronach

Zwei Kisten, die niemand will.

Ein Flohmarkt in Kronach, Tapeziertische, Kaffee aus Thermoskannen. Zwei Kisten, schwer und ölig: Ersatzteile einer DKW Hummel. Niemand will sie. Er will sie.

Er putzt jedes Teil, bis das Metall wieder Metall ist, und verkauft sie weiter. Von diesem ersten selbst verdienten, selbst blank gescheuerten Geld kauft er sich eine Victoria, Baujahr 1928.

Mit dreizehn nimmt er ihren Motor auseinander. Er legt die Teile auf Zeitungspapier, in einer Ordnung, die nur er versteht, und setzt sie wieder zusammen. Dann schiebt er die Maschine durch den Hof. Runde um Runde, die Arme schwer, die Schuhe voller Staub. Bis sie anspringt, einfach so, als hätte sie sich entschieden.

Wer dieses erste Husten eines Motors gehört hat, der jahrzehntelang geschwiegen hat, glaubt danach anders an die Dinge.

Blech, Licht, Papier

Die Liebe zu den Dingen.

Es folgen Lampen, deren Schirme er wieder zum Leuchten bringt, kurz auch Möbel. Dann kommen die Autos. Zwei Mini Cooper, Jahrgang 1970 und 1971, wie Geschwister. Ein Käfer mit Faltdach, Baujahr 1959, über dem der Himmel aufgeht, sobald man das Verdeck zurückschlägt. Noch vor dem achtzehnten Geburtstag ein Renault 4.

An einer Aral-Tankstelle in Bayreuth steht ein VW 1600, Baujahr 1972 – mit Motorschaden. Beige, rote Sitze ohne Kopfstützen, Schlaufen in der B-Säule und die herrlichen Ausstellfenster für den Wind. Sonst sehr gut in Schuss. Er kauft ihn für 2.000 DM.

Danach fährt er in einem R19 Kombi, in den er den Motor vom VW legt – so schwer, dass fast die Achse bricht und die Scheinwerfer wegen des Gewichts in den Himmel leuchten. Bei Nacht und Nebel fährt er nach Kronach. Am nächsten Morgen setzt er die Motoren um. Die Karre läuft und fährt ihn fünf Jahre lang durch den Alltag, und der Wagen wird ihm vertraut wie eine Stimme. Italien, Korsika, die Schweiz.

Dazwischen sammelt er Comichefte, Emailleschilder und die Motor Revue der Fünfzigerjahre. Er hört die Musik der Sechziger und bleibt irgendwann in den Siebzigern und Achtzigern hängen, wo die Formen weicher wurden und die Farben wärmer.

Das Bauhaus packt ihn. Er geht alles durch, was aus Dessau kam: jeden Stuhl, jede Leuchte, jede Fassade, jede Linie, die sich weigert, überflüssig zu sein. Und er steht vor den Plakaten von Otl Aicher wie andere vor Altären.

VW Käfer mit geöffnetem Faltdach, Baujahr 1959, von oben fotografiert, mit Kronacher Kennzeichen KC J 726
Der Käfer mit Faltdach, Baujahr 1959. Originalfoto aus dem Archiv von Oliver Hillebrecht, retuschiert.
Beiger VW 1600 Stufenheck, Baujahr 1972, mit Kennzeichen KC D 108 in einem Kronacher Fachwerkhof am Morgen, daneben der junge Oliver Hillebrecht
Der VW 1600, Baujahr 1972, Kennzeichen KC D 108. Visualisierung nach der Erinnerung, mit einer VW-1600-Vorlage und einem Foto von Oliver Hillebrecht aus dieser Zeit. Mit KI generiert und kombiniert: nah dran, aber kein Originalfoto.
Titelseiten gesammelter Hefte der Motor Revue aus den Fünfzigerjahren, dicht übereinander
Seine gesammelten Hefte der Motor Revue aus den Fünfzigerjahren. Originalfoto, retuschiert.

München

Ein Bild im Tunnel.

Er wohnt in München, in der Erzgießereistraße, und fährt eine Vespa aus den Siebzigern; ihr Knattern hallt von den Tunnelwänden. In der Paul-Heyse-Unterführung, auf dem Weg in die Au, zieht großflächig eine Fotografie an ihm vorbei: Naomi Campbell, fotografiert von Peter Lindbergh. Ein paar Sekunden, dann ist das Bild hinter ihm. Wochenlang brennen sich das Bild und seine Machart in sein Gedächtnis.

Er ahnt nicht, dass er genau diesem Mann Jahre später in Traben-Trarbach gegenübersitzen wird. Sie sprechen lange über Fotografie, über Film und über das Unerklärliche, das manche Bilder unsterblich macht. Peter und er werden Freunde. Oft telefonieren sie über die eine oder andere Bildidee und darüber, wie man sie szenografisch am besten ins Bild setzt.

Ihn fasziniert, wie Marken es schaffen, cool zu werden. Nicht nur bekannt, sondern geliebt. Wie die meisten seiner Generation verlässt er freitags die Videothek mit einem Stapel VHS-Kassetten unter dem Arm. Das Wochenende gehört Chips, Pommes, einem Bier und dem Flimmern im Wohnzimmer.

2007

Was ist das eigentlich, Kult?

Alle sagen es, beiläufig, fast achtlos. Doch als er nach Büchern sucht, nach Theorien oder einem Standardwerk, findet er so gut wie nichts. Ein Wort, das jeder benutzt und niemand erklärt.

An einem Abend läuft ein James-Bond-Film, und alles daran ist Kult: der Autor hinter den Romanen, die Männer im Anzug, die Bond-Girls, die ganze Szenerie. Er denkt: Man müsste sie ehren. Dafür, wie tief sie sich mit ihrem Zeitgeist in die Köpfe eingraviert haben.

In diesem Moment ist das Wort da: CultAWARD.

2009

Eine Frau, die nach dem Stern greift.

Ein Name verlangt nach Gestalt. Eines Tages sieht er sie auf seiner inneren Leinwand: eine Erde, auf ihr eine Frau, die nach den Sternen greift. Sie berührt einen Stern und hält ihn fest.

Er zeichnet das Bild, ein erster Entwurf. Aus Zeitmangel, vielleicht auch aus Ehrfurcht, gibt er die Figur in die Hände seines Freundes Illich Henriquez. Der Illustrator und Comic-Art-Zeichner hat unter anderem für „Der Herr der Ringe“ und „Warcraft“ gezeichnet. Seine Trophäe begleitet den CultAWARD von 2010 bis 2022.

Erst Anfang 2026 entscheidet er sich für die neue Figur, die heute den Preis trägt. Man nennt sie die Monique. Der früheren gebührt aus Freundschaft ein würdiger Platz.

Links die erste Bleistiftskizze der CultAWARD-Trophäe von 2009, rechts die goldene Figur, die den CultAWARD von 2010 bis 2022 trug
2009 · Die erste Skizze und die Figur, die Illich Henriquez daraus formte. Sie trug den CultAWARD von 2010 bis 2022.

2010 bis 2012

Die ersten Jahre.

Mit Martin Ködel, seinem Systemadministrator und Freund fürs Leben, schraubt er auf TYPO3 die erste CultAWARD-Website zusammen. Sie geht online. Urkunden gehen an rund dreißig Kultobjekte, an denen niemand zweifeln kann.

Der Respekt vor der Tragweite wächst mit jedem Schritt. Der Regisseur von „Irgendwie und Sowieso“ sagt ihm, der CultAWARD sei für ihn ein Ritterschlag. Da begreift er, was er in den Händen hält.

2012 wagt er sich kurz an die Öffentlichkeit, mit einer bundesweiten Pressemitteilung. Doch er setzt das Werk nicht um. Die Dimension ist zu groß, die Ehrfurcht zu tief, und so ruht das Projekt viele Jahre.

Vielleicht war das gut so. Regeln und Jury gibt es seit etwa 2010, und in der Stille konnte das Werk tiefer wurzeln, als es ein schneller Start erlaubt hätte.

Aus dem Archiv · 2010 und 2011

Der erste Jahrgang.

Marken, Sendungen, Musiker und Persönlichkeiten, die bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben: Sie waren die ersten, die eine Urkunde des CultAWARD erhielten. Ihre Namen lesen sich wie ein Blick in eine andere Zeit und zugleich wie ein Beweis, dass echter Kult bleibt.

Die Nominierten 2010–2011

VW Käfer · Märklin · Kinder Überraschung · Rimowa · Rivella · Chupa Chups · Bärenmarke · Brandt Zwieback · Dallmayr Prodomo · Hard Rock Cafe · Tatort · Derrick · Der Kommissar · Monaco Franze · Die Sendung mit der Maus · Wer früher stirbt ist länger tot · Loriot · Otto Waalkes · Hape Kerkeling · Dieter Hallervorden · Nena · Nina Hagen · Marianne Rosenberg · Puhdys · Gerd Müller · Rudi Völler

Der regionale Jahrgang Bamberg

Schon damals wurde der Kult vor der eigenen Haustür geehrt: Spezial Keller, Sandkerwa und Odeon-Kino stehen für den CultAWARD auf regionaler Ebene.

Damals und heute

Zwanzig Kultobjekte aus der Gründungszeit werden im Jahrgang 2027 erneut berufen – von Monaco Franze bis Nina Hagen, vom Käfer bis zu „Irgendwie und Sowieso“. Kult, der mehr als fünfzehn Jahre überdauert, hat seinen Namen verdient.

Entwurf der ersten CultAWARD-Website von 2010 mit Logo, Navigation und ersten Nominierungen
2010 · Der erste Entwurf der CultAWARD-Website, gebaut auf TYPO3.
Draufsicht des ersten Bühnenentwurfs für die CultAWARD-Gala von 20103D-Skizze der Gala-Bühne von 2010 mit Großleinwand und zwei Trophäen
2010 · Erste Entwürfe für die Bühne der Gala: Draufsicht und 3D-Skizze, mit einfachen Mitteln gezeichnet.

Die Jahre dazwischen

Schicht um Schicht.

Er arbeitet in Film und Fernsehen, mit Marken und im Design. Er kommt mit Politik in Berührung, mit Wissenschaft, Sport und Musik. Jedes Feld legt eine neue Schicht unter das Fundament, bis aus dem Jungen am Fahrrad ein Mann geworden ist, der der Größe seines Vorhabens nicht mehr ausweicht.

Heute

Regeln, Jury, Urkunde und Stern.

Neu ist eine Hilfe, die es früher nicht gab: Künstliche Intelligenz recherchiert tiefer und weiter, als ein einzelner Mensch es je könnte. Was einst eine Ahnung auf der inneren Leinwand war, ist ein Werk mit Regeln, Jury, Urkunde und Stern.

Manche Dinge springen erst an, wenn man sie lange genug geschoben hat.

Das CultAWARD-Plakat von 2010 neben seiner Neuauflage von 2026 mit der heutigen Trophäe
2010 und 2026 · Das erste Plakat und seine Neuauflage mit der Monique, der heutigen Trophäe.

„Ich hab’s immer gern gemacht.“

Oliver Hillebrecht · Gründer und Herausgeber

Chronik

Die Stationen.

2007 · Die Frage

Was ist Kult? Bei einem James-Bond-Film entsteht der Name CultAWARD.

2009 · Die Figur

Oliver Hillebrecht zeichnet die Frau, die nach dem Stern greift.

2010–2011 · Die ersten Nominierungen

Die erste Website geht auf TYPO3 online. Urkunden gehen an rund dreißig Kultobjekte, darunter Marken, Sendungen, Persönlichkeiten und Bamberger Kultorte. Regeln und Jury entstehen.

2012 · Der erste Auftritt

Eine bundesweite Pressemitteilung stellt den CultAWARD vor. Danach reift das Werk in der Stille.

2022 · Die Website

cultaward.com geht mit Programm, Blog und Club an den Start.

2026 · Die Erneuerung

Die neue Trophäe Monique, Credo, Kult-Kanon, Jury-Verfahren, Urkunde und Würdigung. Hundertelf Nominierungen auf drei Ebenen bilden den Gründungsjahrgang.

2027 · Der Gründungsjahrgang

Die Kult-Tour bringt Urkunden und Würdigungen zu den Geehrten. Das Publikum wählt den ersten Kult des Jahres.

Weiter auf den Spuren des Kults.

Lesen Sie, wofür der CultAWARD steht und wie die Jury arbeitet.